Fernstudium-Fazit nach 6 Semestern

Vor rund 2,5 Jahren habe ich schon einmal einen Blogpost über mein Fernstudium geschrieben. Jetzt, kurz vor Studienende ist mir nach einem Fazit. Was hat mir gefallen, was weniger, ob mir etwas gefehlt hat oder ob ich es weiter empfehlen würde. Das alles erfahrt ihr jetzt.

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Los gehts, zuerst muss ich sagen habe ich vor diesem Dualen Studienmodell schon einige Zeit an einer ganz normalen Universität (Uni Duisburg-Essen) studiert. Daher hatte ich auch Einblick in das allseits bekannte Stundentenleben am Campus und kann so einen ganz guten Vergleich ziehen.

 

Das gemeinsame Ziel von Präsenz- und Fernstudium ist der akademische Titel. Der Weg dorthin unterscheidet sich allerdings in mehreren Punkten. Einige sprechen definitiv für das Fernstudium. Andere können als Nachteil gesehen werden, wobei es immer auf die persönlichen Ansprüche und die Einstellung ankommt. Was jedoch sicher ist: Die akademischen Ansprüche an die Studierenden sind in beiden Fällen gleich hoch.

Zeit und Ort

Ein ganz zentraler Unterschied zwischen den beiden Varianten ist der Ort. Dreh-und Angelpunkt in einem Präsenzstudium ist die Hochschule, denn dort finden alle Veranstaltungen statt, ob Vorlesung, Tutorium oder Lerngruppen. Zudem ist man in der Regel an Zeiten gebunden. Anders ist es beim Fernstudium, da finden nur ausgewählte Termine wie 1-5 Tages-Seminare statt, in meinem Fall handelte es sich insgesamt um ca. 40 Präsenzstage aufgeteilt in die verschiedenen Module. Alles andere wird im Selbststudium von Daheim aus erledigt. Dies setzt eine Menge Disziplin und Motivation voraus, ist aber Zeitlich flexibler und dadurch einfacher in den bestehenden Alltag einzubauen.

Lernmaterial

In einem Präsenzstudium werden Manuskripte, Thesenblätter und Literaturlisten ausgegeben oder stehen online zur Verfügung. Um weitere Informationen zu bekommen muss man sich meistens selber kümmern, in die Bibliothek gehen und sich das Material eigenmächtig beschaffen. Bei einem Fernstudium läuft das alles weitaus einfacher ab.

Zu Beginn des Semesters bekommt man die Materialien per Post. Diese sind so aufbereitet, das alles was Prüfungsrelevant ist und auch Informationen darüber hinaus in einem sehr kompakten Arbeitsheft zusammengefasst ist. Im Onlinecampus finden sich die Materialien noch einmal in digitaler Form. Dazu gibt es Kurzvorlesungen mit wichtigen Themenschwerpunkten in Videoform, Live-Tutorien zum mitmachen an bestimmten Terminen die im Nachhinein auch als Aufzeichnung zur Verfügung stehen.

Man ist sehr flexible was das buchen der Klausurtermine angeht und kann sehr gut im voraus planen und schauen wann man die nötige Zeit hat um sich ausreichend vorzubereiten. Für die Klausuren muss man allerdings zum Prüfungsort kommen uns sie vor Ort schreiben.

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Kontakt im Fernstudium

Fragen können anders als bei einem Präsenzstudium im Fernstudium nicht immer zufriedenstellend beantwortet werden. Dozenten sind nur per E-Mail erreichbar und organisatorische Dinge können nur am Telefon geklärt werden. Wobei ich sagen muss, das unsere Studiengang-Betreuerin wirklich sehr viel für uns da ist und auch bei Problemen stets ein offenes Ohr hat und uns beiseite steht. Bis auf ein paar Kleinigkeiten wie verschwundene Berichte oder Bücher war bisher alles zufriedenstellend.

 

Was jedoch ein viel größerer Unterschied ist, ist die Kommunikation unter den Studenten.  Man sieht sich sehr selten, nur zu den jeweiligen Präsenzphasen und hat darüber hinaus sehr wenig Kontakt. Das ist zum einen durch die, aufgrund der wenigen gemeinsamen Zeit vorhandende Beziehung zueinander zu erklären, zum anderen jedoch auch durch die manchmal doch sehr erhebliche Entfernung zum Studienort. Einige wohnen in einem Umkreis von 50 Kilometern von der Uni entfernt, andere rund 600 km. Das macht die Sache schwierig in Kontakt zu bleiben und das für mich schon wichtige „netzwerken“ bleib etwas auf der Strecke.

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Duales Studienmodell

Ich hab mich damals für die duale Variante entschieden, dass heißt ich arbeite Vollzeit in einem Betrieb und studiere Berufsbegleitend. Damit habe ich persönlich schlechte Erfahrungen gemacht und auch im Kreis meiner Kommolitonen gab es sehr oft Probleme im Betrieb, viele Betriebswechsel und schlechtes Klima verbunden mit sehr viel Arbeit bei niedriger Bezahlung.

Ich persönlich wurde leider von Anfang an von meinem damaligen Chef über´s Ohr gehauen und bin daher ein gebranntes Kind was das Thema angeht, die Folge waren Gerichtstermine, Exmatrikulation und Existenzängste. Gott sei dank, habe ich danach einen Betrieb gefunden, der den Weg mit mir zusammen weiter geht und mit dessen Hilfe ich mein Studium doch noch fertig stellen kann. Man muss sich jedoch immer im klaren sein, dass der Betrieb quasi die Zügel in der Hand hat und Vertragsnehmer des Studienvertrags ist. Das hat zur Folge, das man als Student leider wenig Macht hat, wenn es zu Problemen kommt.

In meinem Fall hat der Betrieb die monatlichen Studiengebühren über einen längeren Zeitraum nicht gezahlt. Davon wird der Studierende jedoch erst in Kenntnis gesetzt wenn man die Exmatrikulation im Briefkasten findet. Ganz umgehen können wird man dieses Risiko wohl nie, jedoch kann ich jedem nur raten, sich den Betrieb wirklich genau anzusehen und bei einem schlechten Gefühl sofort den Rückwärtsgang einzulegen und die Zusammenarbeit besser nicht zu beginnen. Das spart einem im Nachhinein eine Menge nerven und Geld.

Es gibt natürlich auch an Fernhochschulen die Möglichkeit, ohne Betrieb im Vollzeitstudium zu studieren, man darf jedoch nicht vergessen, das diese Organisationen nicht staatlich sind, sondern Privat zu zahlen sind. Dies sind erhebliche Kosten, die man in der Lage sein muss zu decken.

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Fazit

Würde ich persönlich noch einmal das Modell der Fernuniversität in Verbindung mit einem dualen Studiengang wählen?

Ganz Klar, Jein. Aus den oben genannten Gründen würde ich persönlich die Variante an einer Präsenzhochschule vorziehen. Mir hat der Kontakt untereinander einfach gefehlt, das richtige Unileben und alles was man damit verbindet, ist nicht vergleichbar mit dem an einer Fernhochschule. Zumal ich mich und meine akademische Zukunft nicht mehr in die Hände eines Betriebs legen würde. ABER, für diejenigen die schon mitten im Berufsleben stehen, eine Familie haben etc. ist es sicher die bessere Variante. Man ist flexibel und kann die Uni super in den laufenden Alltag super integrieren und man verdient weiter Geld, was auch ein erheblicher Punkt ist, den man beachten sollte. Jedoch sollte man eine Menge Selbstdisziplin besitzen und vorallem genügend Motivation, denn die Gefahr das Lernen auf die lange Bank zu schieben ist sehr groß. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile und ihr müsst genau abwägen welches Modell für euch die richtige Wahl ist. Dafür helfen euch die Informationsmaterialien auf den Websites der Fernunis sicher schon weiter um eine Vorentscheidung zu treffen.

Ich wünschen Allen, egal für welche Variante ihr euch entscheidet, viel Erfolg beim Studium und eine erfolgreiche Zukunft.


Infos zu meiner Fernhochschule, der IST Hochschule für Management findet ihr hier

Ich habe diesen Studiengang gewählt

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